RICHARD-WAGNER-PLATZ

Richard-Wagner-Straße
Schustehrusstraße
Otto-Suhr-Allee
und Umgebung

Bilder von gestern und heute aus Charlottenburg / Berlin


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Aktualisiert:   22.  10.  2020






Heutiger Blick auf einen von insgesamt sieben U-Bahn-Ausgängen am Richard-Wagner-Platz in Charlottenburg.
Aufnahme: 11.05.2018.






Berliner Straße 1820 auf einer Postkarte von 1912
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ie Postkarte, gelaufen 1912, gibt einen Stich von 1829 wieder, auf dem die älteste bekannte Darstellung der Berliner Straße (seit 1957 Otto-Suhr-Allee) zu sehen ist.
Unter dem Stich, also dem hier nicht sichtbaren Original, einer Aquatinta, sind auch die Urheber vermerkt: Laurens et Thiele sc. [lat. sculpsit = "hat es gestochen"], zudem der Urheber der vorangehenden Zeichnung, ein gewisser Calau del. [lat. delineavit = "hat es gezeichnet"]. Überlieferten Angaben zufolge wird die Zeichnung auf das Jahr 1820 datiert. Die Namen sind allenfalls noch spezialisierten Kunsthändlern oder Sachverständigen für historische Graphiken in Museen ein Begriff.
Zum Inhalt: Am Ende der Fluchtlinie ist das Schloss Charlottenburg erkennbar. Die "Straße" ist ein breiter Sandweg, durchzogen von Spuren der Kutschen und Fuhrwerke. Man grüßt einander, ein Pferdebursche tut geflissen seinen Dienst. Ein Hund zieht brav einen Milchwagen durch den Sand (rechts im Bild).
   Das Versickern der Hinterlassenschaften von Pferden und Hunden bewirkt vor allem im Mai, wenn Frühlingsstürme den Sand aufwirbeln, einen wochenlangen üblen Geruch, berichten damalige Berliner Zeitungen über die großen Alleen. Ohnehin kennt man keine Kanalisation im heutigen Sinne; 1831 bricht seit langer Zeit erstmals wieder die Cholera aus.






Dassselbe, in einigen Teilen etwas geänderte Motiv auf der Rückseite eines Geldscheins aus dem Jahre 1921.






Mondscheinpostkarte, gelaufen 1898

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u sehen ist ein Exemplar einer 1898 gelaufenen Postkarte, die zu einer um 1900 beliebten Postkarten-Kategorie gehört, für die ein eigener Begriff geprägt wurde: «Mondscheinpostkarte». Die Perspektive ist hier die eines Betrachters, der in der Mitte des Wilhelmplatzes (heute Richard-Wagner-Platz) steht und gen Schloss blickt. Vor dem hohen Gebäude rechts zweigt ein Weg ab, der zwischendurch «Spreestraße» und heute «Wintersteinstraße» heißt. Wie auf sehr vielen Postkarten mit der Darstellung des Wilhelmplatzes jener Jahre rückt das Nebeneinander verschiedener Verkehrsmittel wie beiläufig ins Bild: Pferdefuhrwerk, Pferdeschienenbus, pferdlose Straßenbahn ...

Unten: Es war ein von der Deutschen Reichspost geforderter Standard, dass der Absender seine Mitteilung auf der Vorderseite der Karte niederschrieb, während die Rückseite technisch-postalischen Angaben vorbehalten bleiben sollte.

Vergrößerung der Rückseite der 1898 gelaufenen Postkarte:








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lick auf den Wilhelmsplatz (heute Richard-Wagner-Platz). Durch die Scharrenstraße (ab 1950: Schustehrusstraße) verliefen Straßenbahngleise.  –  Die Photo-Postkarte lief 1899.








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lick auf die West-/Südwestseite des Wilhelmplatzes (heute Richard-Wagner-Platz). Diese Ansichtskarte lief 1903. Etwas Besonderes ist hier die Wiedergabe der Geschäftszeile einschließlich des abschließenden einstöckigen Eckhauses an der nördlichen Seite der Scharrenstraße, ab 1950 Schustehrusstaße. Auffallend ist die großflächige Alpen-Wandmalerei der Schweizer Schokoladenfirma Suchard.
Bildmitte: Erkennbar an dem Gebäude ist das Firmenschild der Firma «Loeser & Wolff» über dem Laden im Parterre. Es handelte sich um ein am Alexanderplatz ansässiges Zigarren-Unternehmen, das hier, am Wilhelmsplatz in Charlottenburg, eine Verkaufsfiliale betrieb. Es wurde 1937 «arisiert». Im dunstigen Hintergrund rechts ist die Kuppel des Schlosses erkennbar.






Blick auf die West-/Südwestseite des Wilhelmplatzes. Die Ansichtskarte lief 1904.








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lick nach Südwesten durch die (heutige) Schustehrusstraße. Auch dorthin führen Gleise der Straßenbahn und zweigen dann nach links in die Wilmersdorfer Straße ab. — Ungelaufene Postkarte, die um 1912 im Handel war.








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lick vom Wilhelmsplatz in die Berliner Straße (hier: Berlinerstrasse) nach Osten. Die Postkarte wurde am 10.09.1901 gestempelt.
Auffallend ist hier vor allem, wie die Idee der Allee verwirklicht wurde. Auf jeder Seite befinden sich gleich zwei großzügige Bürgersteige, insgesamt also vier. Und auf jeder Seite sind zwei flankierende Baumreihen zu erkennen, insgesamt also vier. Wo die Apotheke und die unmittelbar benachbarten Häuser stehen, hat man sich das spätere Rathaus zu denken.








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ei sehr genauem Hinsehen erkennt man auf der am 03. 11. 1903 gelaufenen, hier sehr vergrößerten Photo-Postkarte neben vielen anderen Details durch die Baumgerippe hindurch unter dem dunklen Dach des niedrigen Hauses vielleicht einige Buchstaben, die sich zu dem Wort «Apotheke» ergänzen lassen. Vor dem Grundstück ist eine helle Plattenwand hochgezogen, als sei die Apotheke nicht mehr in Betrieb. Nach ihrem Abriss "wanderte" sie auf die gegenüberliegende Straßenseite und ihr ursprüngliches Areal wurde zuzüglich weiterer Grundstücke für die Errichtung des neuen Charlottenburger Rathauses verwendet. Dessen offizieller Baubeginn war am 17.06.1899, die Einweihung am 20.05.1905.

Nimmt man den Standort des damaligen Photographen ein, ergibt sich heutzutage dieser Anblick:




Blick auf den Richard-Wagner-Platz 2016 (Standort des Photographen angenähert dem im vorigen Bild)






 

Wie es geplant war (Quelle: Berliner Bauzeitung, Jg. 1922)

  Zur vollen Vergrößerung (max. 3300px Breite) zweimal in die Abbildungen klicken








Von 1875 bis 1877 errichtetes neugotisches Backsteingebäude mit Fiale in Alt-Lietzow  –  Aufnahme vor 1906 (Privatarchiv, Wroclaw/Polska)








Die Ecke Bismarckstraße/Berliner Straße trug die Bezeichnung "Am Knie".
Rechts: Blick in die Berliner Straße (heute Otto-Suhr-Allee) Richtung Rathaus.
Postkarte, gelaufen 1910








Blick auf das Rathaus – Kolorierte Postkarte, gel. 1910








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orderseite einer offenbar im Ratskeller des Rathauses Charlottenburg geschriebenen Postkarte, gelaufen 29.05.1905. Handschriftlicher Zusatz: «Hier ist's furchtbar nett!» – Und so liest sich's rückseitig:











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och einmal der Ratskeller. Die Zeit, aus der diese Ansichtskarte stammt, ist nicht schwer datierbar, wie der Herr im Bildrahmen rechts erkennen lässt. Sein Blick geht zur Eingangstreppe, so dass der ankommende Besucher gleich einen Eindruck vermittelt bekommt, wer hier wen im Blick und das Sagen hat, solange sich kein Oberkellner aufbaut. Nichts wirkt unaufgeräumt. Die Speisenkarten stehen in Reih und Glied und die Falten der Tischtücher scheinen wie von selbst gleichförmig zu fallen und zu erstarren. Aufnahmen von Restaurants, bei denen kein einziger Mensch zu sehen ist, während eine fast überirdisch wirkende und erstarrte Ordnung des Mobiliars und der Gebrauchsgegenstände inszeniert wird, sind kennzeichnend für photographische Aufnahmen von Restaurants in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Auch nach 1945 wurde der Ratskeller weiterhin in derselben Funktion betrieben. Ende des Jahres 2018 wurde dem Pächter aus politischen Gründen der Vertrag nicht mehr verlängert, so dass er seitdem geschlossen ist. Der Ratskeller war seit Jahrzehnten ein beliebter Treffpunkt auch für Autoren, Mitarbeiter der Deutschen Oper, Wissenschaftler und im Nationalsozialismus zwangsexilierte jüdische Bürger, die nach 1945 immer wieder als Touristen in den Ratskeller einkehrten.








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ie am 24.09.1916 gelaufene Karte zeigt das Rathaus Charlottenburg aus östlicher Sicht.
Um die Ecke der Seitenstraße rechts (heute: Warburgzeile ) erstreckt sich das Postamt, auffallend mit seinem Eckresaliten und dessen ornamental aufwändig gestalteten Aufsatz. Rechts das LOGENRESTAURANT.

Aus annährernd gleicher Perspektive aus heutiger Sicht (2018):









Blick auf die Fassade des Rathauses (30.09.2018)







Wilhelmplatz/Ecke Spreestraße 1907


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ie 1907 gelaufene Photopostkarte zeigt den Wilhelmplatz (heute Richard-Wagner-Platz) aus Nordwesten. Der Standort des Photographen ist, was sich nachprüfen lässt, ein oberes Stockwerk oder das Dach des Hauses Richard-Wagner-Straße 45 (damals «Spreestrasse»). Im Vordergrund die zwei Ausgänge der damaligen Endstation der «Untergrundbahn», so die Schrift im Giebel. Der Aufbau des einen von beiden befindet sich heute rechts um die Ecke, in der Otto-Suhr-Allee.
Nimmt man heutzutage vor besagtem Haus und zu ebener Erde den Platz in den Blick, kann sich Folgendes ergeben:





Der Kubus mitte-rechts ist ein 2015 in Betrieb genommener Eingang/Ausgang des Fahrstuhls zum U-Bahnsteig.  –  Aufnahme 29.12.2016








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lick aus der Richard-Wagner-Straße auf den Richard-Wagner-Platz (rechts) um 1960. Zwischen Möbelgeschäft und Bettenhaus: Einmündung der Behaimstraße in die Richard-Wagner-Straße. In dem Möbelgeschäft befand sich vor 1945 das Café Koegel (siehe folgende drei Abbildungen).





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ichard-Wagner-Straße/Ecke Behaimstraße, Café Koegel, Außenansicht vor 1945





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ehaimstraße, Café Koegel, Postkarte mit Innenaufnahme, gelaufen 1928 (1929?). – Beschriebene Rückseite derselben Postkarte:







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ichard-Wagner-Straße/Ecke Behaimstraße – Das Foto entstand am 20.03.2007.








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lick auf den Wilhelmsplatz, hier von Norden auf die Kreuzung Berlinerstraße/Spreestraße. Die Postkarte ist ungelaufen. Die Ansicht ist schätzungweise auf die Zeit um 1910 datierbar.








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lick auf die Nord-West-Ecke des Wilhelmsplatzes (heute Richard-Wagner-Platz) auf einer 1899 gelaufenen Karte. Zur Orientierung: rechts biegt die Spreestraße ab (heute Wintersteinstraße).





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och einmal die Nord-West-Ecke, diesmal mit einer Nahaufnahme des Eingangs zu "Wilhelms Hof" (ohne Apostroph!). Auch diese Postkarte lief 1899. Die Bildqualität ist leider nicht besonders. Auf der schwarzen Tafel links erfährt man etwas über die Art des Angebots, nämlich «Déjeuners, Diners, Soupers». Auf der Tafel rechts ist gerade noch das Wort «Festsäle» erkennbar.








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enkmal für Magnus Hirschfeld am Rathaus Charlottenburg in Berlin. Genauer: Es handelt sich um die metallene Stele rechts. Bretter und Kästen gehören ursprünglich nicht dazu, insofern liegt kein Werk der künstlerischen Gattung «Installation» vor. Das Bild zeigt   –   kein Scherz   –   den Zustand am Berliner «Tag des Denkmals» im Jahr 2017. Auch Matratzen sind immer wieder beliebte Ablageobjekte.

Die für die Errichtung des Denkmals Verantwortlichen haben es so einladend an den Rand des Bürgersteigs gestellt, dass sich vor allem Hunde und ihre Halter angezogen fühlen. Insbesondere sommers sieht man gelegentlich auch Männer, die einfach mal die Hose herunterlassen und sich entleeren. Im Grunde muss man nur ein paar Meter weitergehen und findet die nächsten Kameraobjekte: Matratzen, Möbel, Fernseher, ganze Postermöbelgruppen, Einkaufswagen ...

Zurück zum Denkmal: Hans Magnus Hirschfeld führte ab 1896 an Ort und Stelle eine naturheilkundliche Praxis. Wenige Jahre später eröffnete er im Bezirk Tiergarten ein sexualwissenschaftliches Forschungs- und Beratungsinstitut und gründete die erste Homosexuellenorganisation in Deutschland. Seine zahlreichen öffentlichen Auftritte  –  etwa als Berater für den Film «Anders als die anderen» (1919), in dem er gegen Ende selber auftritt  –  seine Kontakte zu bekannten Personen der politischen Linken, mit deren Unterstützung er eine allgemeine Entdiskriminierung und rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen zu bewirken hoffte, und seine jüdische Herkunft machten ihn zu einer bevorzugten Person für die Angriffe der antisemitischen Propaganda der Kirchen und der NSDAP, so selbstverständlich auch in der Zeitung «Der Stürmer».
Verweise:

 >>>  Magnus Hirschfeld, Berlins Drittes Geschlecht   (Berlin-Charlottenburg 1904)

Nach einer Plünderung wurden am 10. Mai 1933 auch die Schriften Hirschfelds dem Feuer am Opernplatz überantwortet. Die evangelische Kirchenzeitschrift "Der Schundkampf" berichtet:


Der Schundkampf, Nr. 52, Juli 1933, S. 10


   Erich Kästner berichtet: "Mein erstes Buch, der Gedichtband Herz auf Taille, erschien Ende 1927. Und im Jahre 1933 [am 10. Mai] wurden meine Bücher in Berlin, auf dem großen Platz neben der Staatsoper, von einem gewissen Herrn Goebbels mit düster feierlichem Pomp verbrannt. Vierundzwanzig deutsche Schriftsteller, die symbolisch für immer ausgetilgt werden sollten, rief er triumphierend bei Namen. Ich war der einzige der vierundzwanzig, der persönlich erschienen war, um dieser theatralischen Frechheit beizuwohnen.
Ich stand vor der Universität, eingekeilt zwischen Studenten in SA-Uniform, den Blüten der Nation, sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen und hörte die schmalzigen Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners. Begräbniswetter hing über der Stadt. Der Kopf einer zerschlagenen Büste Magnus Hirschfelds stak auf einer langen Stange, die, hoch über der stummen Menschenmenge, hin und her schwankte ...


    Eine ausführliche Darstellung der Plünderung des Instituts und der Bücherverbrennung:
  →  Rainer Herrn, Hans Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft und die Bücherverbrennung.
    Im Internet:      Download von externer Seite

Jährlich versammelt sich ein Dutzend Vertreter einschlägiger Verbände und Parteien vor der Stele zu einem Gedenkritual. Man hält die erwarteten Reden, hinterlässt Kränze, lächelt in die Kamera. Erwartungsgemäß kommt auch bei säkularen Heiligenverehrungen und Wallfahrten das Positive nicht zu kurz. Will heißen: Bestimmte Aspekte kommen möglichst nicht zur Sprache, etwa solche, auf die im folgenden Rundfunkbeitrag wenigstens einmal hingewiesen wurde: https://www.swr.de/swr2/wissen/swr2-wissen-2020-01-24-100.html








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lick in den Spreeweg (heute Richard-Wagner-Straße) mit den beiden Ausgängen des Endbahnhofs der U-Bahn. Kolorierte Photopostkarte, gel. 1917.








Vorder- und Rückansicht einer Straßenbahnfahrkarte 1922 (vergrößert). Der Wagen fährt Richtung «Spandauer Berg».









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ie Photopostkarte mit der Ansicht der Schlossbrücke lief 1921. Auffallend sind hier vor allem die zahlreichen Industriekähne, also Anzeichen für eine rege Gewerbeschiffahrt.








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andgemälde am Ufer der Straße   Am Spreebord   zwischen Caprivibrücke und Siemenssteg.  –  Aufnahme: 28.11.2018.
Die Höhe des überlebensgroßen Portraits misst 2,40 m, so dass es auch von vorbeifahrenden Schiffen aus (s. unten) gut zu erkennen ist. Signiert mit 12 NARO .








Supraporte über dem Eingang des Ratskellers,
versehen mit einem Portrait und etlichen Attributen eines Weingottes,
in dessen Physiognomie sich die Wirkungen des Weingenusses abzuzeichnen beginnen

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er «Ratskeller» ist ein im westlichen Flügel des Rathauses Charlottenburg befindliches öffentliches Restaurant, das sich wegen seiner großzügigen räumlichen Dimensionierung seit Jahrzehnten vor allem für Gruppenaktivitäten aller Art eignet: regelmäßige Vereinstreffen, Klassentreffen, Geburtstagsfeiern, Arbeitsgespräche, studentische Seminargruppen ... Auch ein kleines Theater hat hier seit vielen Jahren seinen Spielort. Zugleich ist das Restaurant einer der wichtigsten und bekanntesten traditionellen Touristentreffpunkte. Man kann hier gelegentlich auch dem einen oder anderen Nobelpreisträger begegnen, von denen mehrere in Charlottenburg wohnen.

Auch Mitglieder und Funktionäre politischer Parteien halten seit jeher formelle oder informelle Treffen im Ratskeller ab. Als auch die neue Partei "Alternative für Deutschland (AfD)" eigene Treffen im Rathauskeller zu veranstalten begann, zogen immr wieder «antifaschistische Aktivisten» vor dem Portal auf und drohten Touristen und Passanten für den Fall, dass sie es wagen würden, dort einzukehren. Eigens hierfür wurde gar ein  Flugblatt  erstellt. Ziel war es, so erläuterte an Ort und Stelle ein führender «antifaschistischer Aktivist», das Restaurant für Betreiber und alle Besucher in einen "Ort der Angst" zu verwandeln und auf diese Weise solange Umsatzverluste herbeizuführen, bis der Pächter genötigt sei, den Betrieb zu schließen. Die Rechnung ging schnell auf.

In der Nacht vom 27. zum 28. Mai 2018 warfen zwei Personen von draußen Steine durch die Fenster des Restaurants und flüchteten. Über den Vorfall und die wahrscheinlichen Hintergründe berichteten mehrere Zeitungen. Im Forum des Berliner «Tagesspiegel»-online gelangten anschließend unerwartet schnell innerhalb weniger Stunden 225 Äußerungen von Lesern zur Veröffentlichung:

>>>  Mit Steinen beworfen ...

Auf einer einschlägigen Internetseite wurde die "erfolgreiche Entglasung" gefeiert. Damit nicht genug. Zum 1. Januar 2019 wurde das Restaurant – ein funktionierendes Unternehmen mit Arbeits- und Ausbildungsplätzen und beliebter Treffpunkt für Bürger aller Herkunft und weltanschaulichen Provenienz – vom Bezirksamt (= Bürgermeisterei) geschlossen.





Rathaus Charlottenburg: Temporäre Beflaggung anlässlich des Al-Quds-Tages (08.06.2018; Aufnahme: 09.06.2018)

Die anlassbezogene Beflaggung kann leicht darüber hinwegtäuschen, dass die maßgeblichen Förderer der Bedrohung gegen Juden und gegen Israel weniger die jährlich über den Kurfürstendamm laufenden und leicht kontrollierbaren folkloristischen Palästinensergruppen sind, sondern deutsche Spitzenpolitiker, die dafür sorgen, dass diejenigen islamischen Regierungen, die Israel ausdrücklich vernichten wollen, ausreichend und zuvorkommend mit Waffen, Technik und Know how versorgt werden.

Eher ein Kuriosum ist der mit der Flagge farblich verwandte Plastikbär auf dem Mittelstreifen. Auffallend ist sein ausladendes Sitzfleisch, was als Folge einer langen, sogenannten «sitzenden Tätigkeit» gedeutet werden kann. Das Sitzfleisch ist auf einer Kiste fixiert, vermutlich mit einem mehrere Wahlperioden wirksamen Kleber. Rückseitig ist die Kiste mit einem Loch versehen, dessen Funktion nicht unmittelbar erkennbar ist. – Der Bär hat seinen rechten Arm ausgestreckt und leicht gehoben, Richtung Rathausbalkon. Balkonreden, eine historische Form der politischen Rhetorik, finden hier allerdings schon lange nicht mehr statt. Der Bär bleibt nicht völlig unbemerkt: immer wieder sieht man Touristen vornehmlich aus Japan oder Südostasien, die sich neben oder vor den «funny Hitler bear» – den lustigen Hitler-Bär – platzieren und sich mit ihm photographieren lassen.

Yergi yazmamak zor iş.
Difficile est saturam non scribere.






«Tote Oma». Jetzt sogar «neu».
Gesehen bei Edeka am Richard-Wagner-Platz (2019)










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m 19. Dezember 2016 fuhr der Attentäter Anis Amri mit einem gestohlenen Lkw, dessen Fahrer er zuvor getötet hatte, auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche in Berlin Charlottenburg. Folge: 12 Tote und 55 Schwerverletzte. Im Vordergrund, auf dem Pflaster, das Denkmal «Goldener Riss»; dazu gehört eine Gedenktafel mit einer Inschrift. Dass der Mörder aus einem religiösen Motiv handelte, wird nicht erwähnt. Das Areal gehört zur evangelischen Kirche, die mit «Bewältigungen» solcher Ereignisse über eine eigene lange Erfahrungsgeschichte verfügt. In Auftrag gegeben wurde das Denkmal vom Senat von Berlin.

Kritik habe es nicht gegeben, behauptet das zuständige Ausführungsbüro. Im Übrigen sei der Riss nur ein Symbol, und jeder könne sich darunter vorstellen, was er wolle.

In Berlin arbeitet ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss mit dem – offiziell erklärten – Anspruch, Hintergründe des religiös motivierten Mordes aufzuklären. Schon innerhalb des Parlaments laufen Versuche, eine erfolgreiche Arbeit des Ausschusses zu behindern. Unterstützt wird diese Intention von außen. So wurde dem Ausschuss seitens des Bundesinnenministeriums ein Bericht zur Verfügung gestellt, in dem etwa 90% der Seiten geschwärzt sind.

Selbst damit ist es nicht getan. Es gibt auch öffentliche Verhöhnungen der Todesopfer und der Verletzten. So phantasierte die insbesondere für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten tätige Reporterin S. Paßmann am 19.12.2019, also am dritten Jahrestag des Attentats, auf ihrer Twitterseite:
Oder vielleicht haben Leute, die es für weihnachtlich halten, in Menschenmengen auf Märkten gebrannte Mandeln zu fressen, auch einfach verdient, von anderen Kulturen verdrängt zu werden. Quelle.

Die Aufnahmen entstanden während des Weihnachtsmarkts Ende 2018.




Noch einmal der Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche: Links eine durchgehende Betonwand, rechts eine Reihe metallener Kisten, die mit allerlei bedeckt sind, so dass nicht zu eindrücklich an ihre Existenz erinnert wird. Die Aufnahme (oben) entstand Ende 2018, also zwei Jahre nach dem Anschlag.








Wie stellen sich Charlottenburg und Berlin von der Aussichtsplattform des Charlottenburger Rathauses dar?

Immer wieder fragen Touristen, insbesondere aus Asien, warum diese «Kirche» sonntags geschlossen sei und ob und wann man auf den Turm komme ...

Der Turm ist für «normale» Besucher grundsätzlich gesperrt. Es führt eine Treppe hinauf. Raum für einen Fahrstuhl wäre genug vorhanden.

Die folgenden, zu einem Video-Clip verbundenen Aufnahmen entstanden am Berliner «Tag des Denkmals» im Jahr 2010. Es handelt sich um das erste im Internet veröffentlichte Charlottenburger Rathausturm-Video überhaupt. Hierfür stand nur eine Billig-Kamera zur Verfügung. Insbesondere die Aufnahme über den dichtbebauten Bereich in Richtung Teufelsberg lässt erahnen, dass hier mit besseren Geräten noch ganz andere Möglichkeiten gegeben sind.

Wegen Problemen mit einigen Browsern wurde darauf verzichtet, den Video-Clip automatisch skalieren zu lassen. Der mp4-Video-Clip kann jedoch – mit Qualitätsminderung – im Vollbild-Modus abgespielt werden: Hierzu auf das Symbol mit den vier Pfeilen unten rechts in der Kontrollleiste unter dem Video klicken.







Die Bilder im Einzelnen:

  • 0.18: Blick nach Norden in die rückseitigen Höfe des Rathauses, dessen Turm im Bild als Schatten erscheint
  • 0.40: Blick nach Norden auf das Seniorenheim der Caritas (Iburger Ufer) und das Heizkraftwerk (Am Spreebord)  –  dazwischen fließt von Osten nach Westen, im Bild nicht sichtbar, die Spree
  • 1.03: Blick nach Osten über die Otto-Suhr-Allee zum Ernst-Reuter-Platz
  • 1.22: Blick nach Südosten auf das Stadtbad Krumme Straße und das Parkhaus der Deutschen Oper
  • 1.43: Blick nach Südwesten auf den Teufelsberg (Grunewald)
  • 2.04: Blick nach Westen über die Otto-Suhr-Allee auf das Schloss Charlottenburg

Das Video lässt sich nicht starten?
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Blick vom Turm des Rathauses Charlottenburg nach Osten in Richtung Alexanderplatz. Vorne links: Alt-Lietzow (September 2009).







Richard-Wagner-Platz im Stadtplan:

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